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    Textilrecycling
    Der Rohstoff aus
    Deinem Kleiderschank!
    Zur Herstellung unserer Textilien werden kostbare natürliche Rohstoffe
    eingesetzt. Allein für die Produktion eines einzigen T-Shirts sind bis
    zu 20.000 Liter Trinkwasser notwendig – zum Wegwerfen viel zu schade!
    Textilrecycling schenkt Ihren alten Schätzchen ein neues Leben. Durch
    art- und fachgerechtes Textilrecycling, wie von FWS seit Jahrzehnten
    praktiziert, können über 90% der Alttextilien in den Wirtschaftskreislauf
    zurückgeführt werden.

    Textilrecycling spart wichtige Rohstoffe und reduziert die Umwelt-Belastung.
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    Rohstoff für
    kurze Wege
    Bis vor ein paar Jahren hat Bernd immer mehrere Sechserträger
    Mineralwasser und Cola zu seinem Laster geschleppt, bevor er
    früh morgens das Haus in Hünstetten im Taunus verließ. Aber da
    war sein LKW auch noch wesentlich größer und seine Touren
    dauerten mehrere Tage.
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    Rohstoff für
    neue Perspektiven
    Hinter einer unscheinbaren Fassade in einem Industriegebiet
    nahe Luxemburg arbeiten Meyers Charles und sein Team jeden
    Tag an einer wichtigen Aufgabe: im „Jongenheem“ entwickeln
    Sozialarbeiter, Pädagogen und Handwerker Zukunftsperspektiven.
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    Rohstoff für eine
    gute Ausbildung
    Ein großes Maß an Selbstsicherheit, Selbstständigkeit und
    Umweltbewusstsein – Sabrina König aus Bremen hat während
    Ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau mehr gelernt, als die typischen
    Tätigkeiten Ihres Berufsfeldes. Denn bei FWS ist Nachhaltigkeit
    auch in Sachen Personalführung ein wichtiges Thema.

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    Rohstoff für einen
    eigenen Laden
    Der Arbeitsplatz von Joyce ist zu jeder Zeit schattig
    und regensicher. Gute Voraussetzungen für die Näherin
    aus Ombasi, einer Ortschaft ganz im Süden des Süd-Sudan.
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    Rohstoff für einen
    sicheren Arbeitsplatz
    Olga ist entscheidungsfreudig und schnell. Das sind die
    besten Voraussetzungen für ihren Job, denn Olga trifft
    jeden Tag 10.000 Entscheidungen in Sekundenschnelle.
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    Rohstoff für ein Leben
    zwischen Tradition
    und Moderne
    Wer dem Verkehrschaos Nairobis entkommen ist und bei Narok
    die befestigte Straße verlassen hat, nähert sich dem
    Siedlungsgebiet der Massai. Der relativ kleine Volksstamm
    steht wie kaum ein anderer für den Spagat zwischen
    traditionellem und modernen Leben. Diesen Spagat lebt
    Legishon, ein Massai aus Ost-Kenia jeden Tag. Das sieht
    man auch an seiner Kleidung.

Wir geben Textilien ein zweites Leben

Wasserrechner

Mit unserem Wasserrechner können Sie ausrechnen, wie viel Wasser Sie geholfen haben zu sparen, indem Sie ausrangierte Kleidungsstücke aus Ihrem Kleiderschrank in einen unserer Container geworfen haben.

Wasserrechner

Rohstoff für ...

  • ... kurze Wege

    Bernd aus dem Container-Serviceteam

    Bis vor ein paar Jahren hat Bernd immer mehrere Sechserträger Mineralwasser und Cola zu seinem Laster geschleppt, bevor er frühmorgens das Haus in Hünstetten im Taunus verließ. Aber da war sein LKW auch noch wesentlich größer und seine Touren dauerten mehrere Tage. Autos haben den 44-jährigen Hessen schon immer interessiert und natürlich fremde Länder. Als er das erste Mal einen 30-Tonner über den Brenner zog, schien sein Glück vollkommen.

    „Aber das Gefühl der Freiheit nutzt sich schnell ab“, erklärt der jetzige Servicemitarbeiter im gemütlichen Hessisch. Der Termindruck, die langen Lenkzeiten, aber vor allem die viele Zeit, die er nicht zu Hause war, überwogen den Spaß am „Kilometerfressen“. „Mit 20 oder 22 ist Trucker mehr als ein Beruf, aber mit Familie ändert sich alles.“ Deshalb hatte Bernd sich schon länger nach einem Job umgeschaut, bei dem er nicht nur Berufskraftfahrer bleiben, sondern auch abends im eigenen Bett liegen kann. Mit der Geburt des zweiten Kindes stieg er deshalb endgültig um: Der LKW wurde kleiner, die Strecken wurden kürzer, viel kürzer.

    Heute schwingt er sich morgens in einen 3,5-Tonnen Mercedes-Sprinter und fährt seine Route ab. Im Rhein-Main-Gebiet ist er in einem Umkreis von 40 Kilometern für die Leerung und Pflege „seiner“ Textilsammelcontainer zuständig. Zwanzig bis dreißig so genannte Depotcontainer stehen jeden Tag auf dem Plan. „Wenn man sich gut organisiert und am Ball bleibt, ist das ohne großen Stress zu schaffen“, weiß der Fachmann. „Die Route muss halt stimmen. Jeder Meter zu viel kostet Zeit und Sprit“, erzählt er grinsend. „Ist noch so drin, von früher.“ Tatsächlich sind die Wege bei der Erfassung der gebrauchten Textilien so kurz wie möglich. Über 30 Serviceteams und mehr als 100 Verladestationen umfasst das Netz von FWS bundesweit – das ist einzigartig! Dabei arbeitet das Bremer Unternehmen stets mit ortsansässigen Unternehmen zusammen. Die kennen ihr Gebiet und können schnell reagieren. Nur so ist der zugesicherte 24-Stunden-Service auch zu gewährleisten.

    Bernds Routen ändern sich jeden Tag. Manche Container leert er alle zwei bis drei Tage – andere sieht er nur jede zweite Woche. Das hängt ganz vom Standort ab. Vor Ort wird der Container geöffnet und zunächst einmal der offensichtliche Müll in rote Abfalltüten verpackt. Das macht immerhin 5 bis 10 % des Inhaltes aus. Dann werden die gebrauchten Textilien in die gelblich-transparenten FWS-Säcke verpackt. So kann im Sortierbetrieb schon von außen der Inhalt abgeschätzt werden. Anschließend wird mit einem Barcode-Scanner der Füllstand erfasst und zusammen mit den GPS-Daten an die Zentrale gesendet. Bevor es zum nächsten Container geht, räumt Bernd rund um den Container auf. „Verlassen Sie den Container so, wie Sie ihn vorfinden wollen.“ Ist doch ein schönes Motto! Dann geht es weiter durch den Taunus zum nächsten Standort. Unterwegs fallen dem kräftigen Hessen immer wieder Geschichten ein. „Einmal hatte eine ältere Dame ihr Erspartes in einem Kissenbezug versteckt. Leider hatte sie nicht daran gedacht, als sie zu Hause den Kleiderschrank ausmistete. Die Dame hat ganz aufgelöst bei der Nummer auf dem Container angerufen. Aber es ist alles gut gegangen.“ Tatsächlich konnte die Zentrale die Daten so auswerten, dass Bernd das kostbare Kissen noch am selben Abend persönlich zurückbringen konnte. „So etwas passiert natürlich nicht täglich, aber ich habe viel Kontakt zu den Menschen – das macht mir Spaß!“, resümiert der FWS-Fahrer.

    Am Ende der Tour verschwindet der Inhalt des Sprinters am Verladeplatz nach und nach in einer LKW-Wechselbrücke, bevor er sich auf den Weg in einen der verschiedenen FWS-Sortierbetriebe macht. Sack für Sack wuchtet Bernd das Ergebnis seiner Tour aus dem Wagen. „Ein bisschen Sport am Abend“, lacht er etwas außer Atem. „Soviel habe ich mich früher nicht bewegt. Meiner Frau gefällt es.“ Und in einer viertel Stunde ist er – wie jeden Abend – zu Hause. Kurze Wege.

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  • ... neue Perspektiven

    Charles aus der sozialen Einrichtung „Jongenheem“

    Hinter einer unscheinbaren Fassade in einem Industriegebiet nahe Luxemburg arbeiten Meyers Charles und sein Team jeden Tag an einer wichtigen Aufgabe: Neuen Lebenszielen. Denn im „Centre d'Insertion et de Réinsertion Professionnelle“ – in der Region bekannt unter dem Namen „Jongenheem“ – entwickeln Sozialarbeiter, Pädagogen und Handwerker zusammen mit randständigen Jugendlichen Zukunftsperspektiven. Nicht selten sind gebrauchte Textilien der „Rohstoff“ dafür.

    Das „Jongenheem“ hat eine lange Tradition in der Jugendhilfe Luxemburgs. Nach dem Krieg von Ordenspriestern als ein Internat für die Kinder von Handwerkern und Bauern gegründet, ist es seit über vierzig Jahren in staatlicher Trägerschaft. Heute bietet das Jongenheem mehr als 120 Jugendlichen einen Platz zum Wohnen. Über 80 Jugendliche und junge Erwachsene finden über die Angebote in den Jongenheem-Werkstätten den Anschluss und den Einstieg in die Arbeitswelt. „Unsere Mission ist es, junge Menschen zu motivieren, sie zu stabilisieren und ihnen zu helfen sich auf einen Arbeitsplatz zu fokussieren. Denn dies ist auch in Luxemburg nicht bei allen Heranwachsenden, die mit 15 Jahren die Schulpflicht hinter sich gebracht haben, der Fall. Bei uns bekommen sie einen Rhythmus, lernen Disziplin und Zielorientierung“, erklärt Charles, Direktor des Jongenheem. Eine wichtige Intention ist dabei auch die gesellschaftliche Integration: Die Hälfte aller Beschäftigten im Jongenheem haben afrikanische Wurzeln. Neben einer Holzwerkstatt, dem Näh- und Bügelservice, einem Restaurant, einem Gärtnerservice und einer Elektrowerkstatt ist Textilrecycling seit über 40 Jahren eines der wichtigsten Betätigungsfelder.

    Begonnen hat dieses Engagement in der Zusammenarbeit mit dem Kolpingsverband, der traditionell im September mit bis zu 300 freiwilligen Helfern eine große Straßensammlung von gebrauchten Textilien durchführt. Doch das veränderte Konsumverhalten und die Wohnverhältnisse machten auch hier neue Ansätze notwendig. „Bei uns in Luxemburg sind die Wohnungen besonders teuer und daher besonders klein. Kaum jemand hat den Platz, seine abgelegte Kleidung bis zur Sammlung zu Hause zu stapeln“, sagt Charles. Daher entschlossen Jongenheem und Kolping sich schon vor 25 Jahren die ersten Depotcontainer aufzustellen. Die farbenfrohen orangenen Sammelbehälter sind seitdem im ganzen Land verteilt. Sie werden gepflegt, gewartet und geleert. Dies übernehmen Teams des Jongenheem. Je zwei Jugendliche machen sich mit ihrem Betreuer morgens in einem Transporter auf den Weg und fahren ihre Route ab. Viele hundert Tonnen gebrauchte Textilien kommen so jedes Jahr zusammen, die dann über FWS und eine professionelle Sortierung in den Verwertungskreislauf eingebracht werden. Für die Jugendlichen bedeutet diese Tätigkeit neben einer sinnvollen Aufgabe auch einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Und der beträgt in Luxemburg derzeit immerhin 1.900.- Euro.

    Doch seit kurzem verfolgt das Team um Charles mit der gesammelten Kleidung noch ganz andere Ziele. Upcycling ist das Zauberwort: Aus abgelegten Jeans entstehen neue Kissen, i-Pad-Hüllen und Taschen im Patchwork-Stil. Bisher üben fünf weitere Jugendliche diese neue Beschäftigung aus und lernen zudem in der Schneiderei den Umgang mit Nadel und Faden. Nach der bisher guten Resonanz plant Charles jetzt einen weiteren Schritt. „Wir präsentieren unsere Upcycling-Ware auf Weihnachtsmärkten. Dieses Jahr sogar auf dem Gutenbergplatz in Straßburg!“ Die gebrauchten Textilien aus dem Jongenheem machen nun also sogar als Designerstücke Karriere.

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  • ... eine gute Ausbildung

    Sabrina – gestärkt in die Zukunft

    Ein großes Maß an Selbstsicherheit, Selbstständigkeit und Umweltbewusstsein ¬– Sabrina König aus Bremen hat während Ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau mehr gelernt, als die typischen Tätigkeiten Ihres Berufsfeldes. Denn beim Textilrecycling-Unternehmen FWS ist Nachhaltigkeit auch in Sachen Personalführung ein wichtiges Thema.

    Es sind nur noch wenige Wochen bis zu den Prüfungen, als wir Sabrina König aus Bremen zu einem Gespräch treffen. Die 21 Jährige wirkt selbstbewusst an ihrem Arbeitsplatz im Büro von FWS im Herzen Bremens. „Ich fühle mich gut vorbereitet und bin sehr dankbar, dass ich meine Ausbildung bei FWS machen durfte. Hier wurde sich von Beginn an viel Zeit für mich genommen und immer alles ganz in Ruhe erklärt. Wir arbeiten hier harmonisch und abteilungsübergreifend Hand in Hand. Das ist auch wichtig, weil das Thema Recycling von Altkleidern sehr vielseitig ist.“, sagt die angehende Bürokauffrau. Bevor Sie vor gut 2 Jahren ihre Ausbildung begann, war ihr nicht bewusst wie interessant die Arbeit bei einem Textilrecycling-Unternehmen sein kann. „Ich hatte zwar schon des Öfteren Altkleidercontainer gesehen, aber nicht genutzt.“ Erst bei ihrem Ausbildungsbetrieb lernte die junge Frau, dass mit der Entsorgung der gebrauchten Kleider in einen FWS-Container ein neuer Lebenszyklus beginnt. Bei Außeneinsätzen besuchte die junge Frau Sortierbetriebe und sah mit eigenen Augen, wie Altkleider von Hand nach über 300 Kriterien sortiert und dann neuen Bestimmungen zugeführt werden. Alte T-Shirts, Blusen, Hosen & Co werden von dort aus als Second-Hand Ware oder Rohstoff in den Wirtschaftskreislauf eingeführt.

    „Ich fand es überraschend, wie positiv sich dies zum Beispiel auf die Umwelt auswirkt und bin fast ein bisschen stolz, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitragen kann“, erklärt Sabrina. Heute fährt sie nicht nur gern mit dem Fahrrad zur Arbeit, sondern auch öfter zum Altkleidercontainer. „Bei mir landen heute keine Klamotten mehr in den Müll, wenn ich den Kleiderschrank aussortiere. Wieso sollte man auch einfach wegschmeißen, wenn noch soviel damit gemacht werden kann?!“

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  • ... einen eigenen Laden

    Joyce aus dem Süd-Sudan

    Der Arbeitsplatz von Joyce ist zu jeder Zeit schattig und regensicher. Gute Voraussetzungen für die Näherin aus Ombasi, einer kleinen Ortschaft ganz im Süden des Süd-Sudan.

    Der lokale Markt ist von der Straße kaum zu sehen, denn man erreicht ihn erst, wenn man zwischen den kleinen mit Wellblech gedeckten Holzhütten hindurchgeht. Dann aber öffnet sich eine ganz neue Welt: bunt, laut und meistens fröhlich. Die Trockenzeit geht gerade zu Ende, die Tage werden von den ersten größeren Regenschauern unterbrochen. Von den Bauern lang erwartet und nachts herbeigetrommelt und von den Marktfrauen eher befürchtet. Denn die Regenzeit wird die rote, lehmige Erde in einen zähen Matsch verwandeln – keine guten Aussichten für die Straßen und den Markplatz. In der Mitte des großen Platzes, unter gigantischen Mangobäumen haben die Bauern der Region ihre Waren auf Decken und Kartons ausgebreitet: Bananen, Okraschoten, Steinsalz, Ananas, Sesamöl, Avocados und getrockneten grünen Kaffee. Das Angebot ist groß, die Preise dem Einkommen entsprechend niedrig.

    Rund um den Markt stehen die Holzhütten mit hochwertigeren Waren. Hier sind Händler zu finden, die mit alles bereithalten, was vor Ort benötigt wird: Fahrradreifen, Plastikspielzeug, Milchpulver, Schulhefte und billige Kleidung aus Fernost. Alles wird aus dem nahen Uganda importiert und ist daher teuer. Zwischen all den Läden hat auch Joyce ihren Platz gefunden. Und das Angebot von ihr und ihrem Kollegen Simon ist hier konkurrenzlos: Joyce ist Schneiderin. Die beiden alten Nähmaschinen sind top in Schuss und haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber den modernen Geräten. Sie laufen im Pedalbetrieb und sind somit vom Strom, welchen es hier nur aus Generatoren gibt, unabhängig. Im Süd Sudan kleiden sich die Menschen auf ganz unterschiedliche Art: Traditionelle Kleider, die aus bunt bedruckten Motivstoffen aus Uganda oder aus Westafrika importiert, geschneidert werden. Oder auch Neuware aus China, Maßgeschneidertes und gebrauchte Kleidung aus Europa. Die traditionellen Kleider schneidert Joyce natürlich am liebsten. Aber sie sind seltener geworden in dem Land, dass auch drei Jahre nach seiner blutig erstrittenen Unabhängigkeit nicht zur Ruhe kommt. Denn diese farbenfrohen Kleider sind kostspielig und nur wenig Alltagstauglich. Das gilt auch für die maßgeschneiderten Hemden und Hosen. Sie sind zwar schick, aber der Stoff ist synthetisch. Stoff und Garn kauft sich Joyce meist in kleinen Mengen auf dem Markt im ca. 25 km entfernten Yei. Einer Stadt, der man die geschätzten eine Million Einwohner nicht ansieht. Natürlich könnte die Schneiderin ihre Ware auch selbst in Uganda kaufen, denn jeden Tag fahren reichlich Busse an die 45 km entfernte Grenze. Doch bei Fahrpreisen von 100 Pfund, umgerechnet über 10 Dollar, lohnt sich das nur bei großen Mengen. Und dafür fehlt ihr das Kapital.

    Bei hohen Temperaturen und einer noch höheren Luftfeuchtigkeit sind die von Joyce geschneiderten Hemden und Hosen aus Kunstfaser nur etwas für Sonn- und Feiertage. Zudem muss die Kleidung einer Wäsche im nahegelegenen Fluss Yei dauerhaft standhalten. Das ist auch das große Manko der bunten Neuware, die im knisternden Cellophan hier an den Ständen liegt: so schön wie beim Händler sehen sie nicht lange aus. Und dann gibt es auch Mitumba (Second Hand Kleidung), die bereits den weiten Weg aus Europa und den USA hinter sich hat. Ob die gebrauchten Textilien keine Konkurrenz für sie sind, wollen wir von Joyce wissen, Joyce lacht: „Nein, warum denn? Das Gegenteil ist richtig.“ Es ist selten, dass ein Teil wirklich genau passt. Und was nicht passt, wird bei ihr passend gemacht. Umschneidern macht einen wichtigen Teil ihres Umsatzes aus. Eine neue Hose kostet umgerechnet acht Dollar, ein neues Hemd sogar nur 2,50. Aber das ist viel Geld in einer Region, in dem die absolute Mehrheit der Bevölkerung mit weit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen muss. Viele Bauern leben von der Subsistenzwirtschaft und sind so von Geldflüssen praktisch ausgeschlossen. Aber eine gebrauchte Hose passend zu machen, gibt es bei Joyce schon für wenige Cent. Und so ist das Umschneidern gebrauchter Kleidung eine willkommene Einnahmequelle. Sie selbst trägt bei der Arbeit natürlich ein Kleid aus eigener Produktion. Und zu Hause? „Na klar“, sagt sie, „da habe ich auch Mitumba. Das ist bequem und praktisch.“

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  • ... einen sicheren Arbeitsplatz

    Olga aus dem Sortierbetrieb in Bremerhaven

    Olga ist entscheidungsfreudig und schnell. Das sind die besten Voraussetzungen für ihren Job. Denn Olga trifft jeden Tag 10.000 Entscheidungen in Sekundenschnelle. Bei einem der größten Sortierbetreibe gebrauchter Kleidung arbeitet die junge Deutsch-Russin in der Vorsortierung. Hier kommt an, was in deutschen Kleiderschränken übrig war – und das ist viel.

    Laut einer aktuellen Studie lagern in jedem deutschen Kleiderschrank durchschnittlich 18 Kleidungsstücke, die selten oder nie getragen werden. Was dann den Weg zum Kleidercontainer gefunden hat, landet nicht selten in Bremerhaven und bei Olga auf dem Sortiertisch. Pro Schicht laufen ihr bis zu 2,5 Tonnen Textilien durch die Finger. Ein Griff, ein Blick, ein zweiter Blick, eine Drehung, ein letzter Blick und ein Wurf, der auch ohne Hingucken immer die richtige Box trifft. 21 Boxen hat Olga vor sich und die selbe Anzahl von Boxen hinter sich. Sie sind beschriftet mit Cari, Altgestrickt, Sport, oder UTS. Darüber sind Farbcodes in Rot, Grün und Blau - das steht für Gut, Mittel und Recycling. Blitzschnell muss Olga jedes einzelne Kleidungsstück bewerten: Material, Qualität, Zustand und Marktfähigkeit. Stück für Stück verschwindet so vom Tisch. Und mit einem Knopfdruck spuckt das Transportsystem die nächsten 80 Kilo aus. Das Fingerspitzengefühl, den scharfen Blick und die richtige Beurteilung kann keine Maschine leisten. Da Olga und ihre Crew in der Vorsortierung ihre Arbeit routiniert und gut machen, bekommen ihre Kollegen und Kolleginnen in der Feinsortierung ständig Nachschub an sortenreiner Textilware. Nur so ist es möglich, dass am Ende des Sortiervorganges aus den Inhalten der Sammelcontainer bis zu 350 unterschiedliche Kategorien gebrauchter Kleidung werden. Versandfertig in alle Welt. Was übrig bleibt ist Müll, aber der beträgt keine fünf Prozent der Eingangsware.

    Dass Olga im Sonnenaufgang zur Arbeit fährt, kommt nur an wenigen Tagen im Hochsommer vor. Denn der Arbeitstag im Sortierbetrieb am Rande des Hafengebietes von Bremerhaven beginnt früh – sehr früh! Doch Olga hat Spaß am frühen Aufstehen. Das hat sie mit ihren Kolleginnen in der Vorsortierung gemeinsam. Jeden Tag um halb sieben beginnen sie laut Arbeitsplan mit der Sortierung gebrauchter Kleidung. Doch die meisten Sortierboxen sind bereits eine halbe Stunde eher besetzt. Neben einem festen Tarif-Lohn werden die Vorsortiererinnen für jedes Kilo der besten Kategorie belohnt. Dieser Anreiz schärft das Auge zusätzlich. Vierzig Stunden pro Woche arbeiten die Frauen an ihren Sortiertischen. Der Job ist in Vollzeit, unbefristet und selbstverständlich sozialversicherungspflichtig. Das ist in einer strukturschwachen Region wie Bremerhaven, mit einer im Vergleich zum Bundesdurchschnitt mehr als doppelt so hohen Arbeitslosenquote, keineswegs selbstverständlich. Für den Beruf werden weder Vorkenntnisse noch Ausbildung und nur wenige Deutschkenntnisse, dafür aber besondere Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft erwartet. Das macht den Job für viele attraktiv, die sonst kaum eine Chance bekommen. Unter den über zwanzig Vorsortiererinnen sind daher viele Frauen aus Litauen, Russland und Polen. Dass die meisten von ihnen keine in Deutschland anerkannte Berufsausbildung und viele zudem im Alltag mit einer Sprachbarriere zu kämpfen haben, spielt hier keine Rolle. Ein scharfes Auge und ein Gespür für gute Kleidung ist international.

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  • ... ein Leben zwischen Tradition und Moderne

    Legishon aus der „Massai Mara“ in Kenia

    Wer dem Verkehrschaos Nairobis entkommen ist und bei Narok die befestigte Straße verlassen hat, nähert sich dem Siedlungsgebiet der „Massai“. Der relativ kleine Volksstamm steht wie kaum ein anderer für den Spagat zwischen traditionellem und modernem Leben. Diesen Spagat lebt Legishon, ein Massai aus Ost-Kenia, jeden Tag. Das sieht man auch an seiner Kleidung.

    Wohl kaum eine Ethnie in Ostafrika ist so bekannt, wie dieses noch immer halbnomadisch lebende Hirtenvolk. Zahlreiche Bücher und Filme haben den Ruf der Massai weit über die Grenzen ihres Stammlandes in Kenia und Tansania verbreitet. Wahrscheinlich trug auch die Lage der Siedlungsgebiete in der Serengeti und im Massai Mara Nationalpark, welche jedes Jahr von vielen hunderttausend Touristen aus aller Welt besucht werden, zum Bekanntheitsgrad dieses ehemals kriegerischen Volkes bei.

    Keine Frage: Die Massai fallen auf. Ihre Helix-Piercings, der bunte, traditionelle Schmuck und die weiten Ohrlöcher sind unübersehbar. Vor allem aber erkennt man die Massai an der „Shuka“: einer bunten, großen Decke in kräftigen Rottönen. Auch für moderne Massai ist dieses universell einsetzbare Kleidungsstück unverzichtbar und Teil ihrer stolzen Identität.

    Abseits der großen Straßen stehen die „Enkaji“: niedrige Rundhütten aus Lehm und Dung, die von dichten Schilfdächern bedeckt sind. Wir sind zu Besuch im Enkaji von Legishon, dem 28-jährigen Sohn des Clanchefs. Der Name passt gut, denn Legishion bedeutet „Der Höfliche“. Zuvor haben er und andere „Morani“ uns mit einem traditionellen Begrüßungstanz in ihrem „Enknag“ genannten Dorf willkommen geheißen. Dass die jungen Krieger dabei eine Shuka und viel Schmuck trugen, gehört zum Erscheinungsbild und zur Inszenierung dazu.

    Keine Frage, mit vier Hütten und vier Frauen ist Legishon nach traditionellen Parametern der Massai ein gemachter Mann. Doch auch nach modernen Maßstäben kann sich unser Gastgeber Legishon vergleichsweise wohlhabend nennen.

    Die Zeiten, in denen die Massai sich ausschließlich von der Viehzucht ernähren konnten, sind längst vorbei. Tourismus ist ein zweites Standbein, das für seine Familie und für alle Massai immer wichtiger wird. Als Legishon nach einer kurzen Pause wieder erscheint, hat er die Shuka lässig über die Schulter geworfen und trägt Jeans und ein verwaschenes T-Shirt. Er lädt uns in seine Hütte ein, in der das Feuer Tag und Nacht brennt. Die Fenster sind winzig. An die Dunkelheit und den beißenden Qualm gewöhnt sich das ungeübte Auge nur langsam. Für Legishion ist diese Dunkelheit kein Problem, er ist sie seit Kindestagen gewohnt.

    Während wir uns unterhalten, erstrahlt Legishons Gesicht immer wieder im Schein des i-Phone Displays. Der junge Mann scheint beliebt zu sein, so oft, wie eine neue WhatsApp-Nachricht während unseres Besuches reinkommt. Wer jetzt glaubt, die Begegnungen mit den Touristen hätte das Leben der Massai gravierend verändert, der irrt. Zu wenige Berührungspunkte gab es zwischen den Welten der Besucher und der Besuchten. Die eigentliche Revolution kam von den zahlreichen Sendemasten, die ursprünglich die Netzabdeckung für eben jene Touristen sicherstellen sollten. Erst wurden die Stromgeneratoren in den Massai-Siedlungen nur für die Fernseher angeschmissen. Mit den neuen technischen Errungenschaften stiegen die Bedürfnisse nach den in TV-Spots beworbenen Dingen.

    Es ist kühl geworden. Wie jeden Abend versammeln sich die Bewohner zum Sonnenuntergang um 19.00 Uhr vor dem Fernseher, um gemeinsam „Papa Shirandura“ zu gucken. Die Shukas dienen jetzt als wärmende Decken. Die sehr seichte Daily Soap um den tollpatschigen Hauptdarsteller lebt von seiner Einfachheit: Das Leben der smarten, aber überforderten Städter wird beständig von dummen Hinterwäldlern auf den Kopf gestellt. Für die Versammelten ist klar, wer gemeint ist und zu wem sie nicht gehören wollen.

    Neben Handy und Motorrädern gehört daher auch die Kleidung – wie überall auf der Welt – zu den gängigen Statussymbolen. Und damit ist selbstverständlich westliche Kleidung gemeint. Besonders beliebt sind Labels von Sportartikelherstellern, weltbekannte Jeansmarken und Trikots von englischen Fußballclubs. Neue Markenware wird hingegen jenseits der wenigen Boutiquen in der Hauptstadt gar nicht angeboten. Deshalb ist es egal, dass die begehrten Shirts, Jeans und Shorts der jungen Massai einen weiten Weg hinter sich haben und aus einem fremden Kleiderschrank kommen. Denn Mitumba – zu deutsch gebrauchte Kleidung – ist in ganz Kenia ebenso weit verbreitet, wie beliebt. Gut erhalten muss sie sein, modisch und robust, sonst findet sich kein Käufer. Die ebenso erhältliche Neuware aus Fernost ist dagegen wenig beliebt, auch wenn sie oft billiger ist als Mitumba. Es fehlt ihr aber an Qualität und die grellen Farben treffen nicht immer den Geschmack.

    In der größten Stadt der Massais gibt es riesige Mitumba-Märkte, auf denen sich die Bewohner der Region einkleiden. Hunderte Händler und Zwischenhändler leben von diesem Geschäft. Ein T-Shirt kostet umgerechnet etwa drei Dollar, eine Jeans fünf oder sogar sieben Dollar, je nach Zustand. Bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von derzeit 68 Dollar eine seltene Investition. Manchmal bringen auch Verwandte einzelne Stücke aus Nairobi mit. Dort ist es wesentlich günstiger und die Auswahl noch größer. Doch auch diese Stücke müssen lange halten und ebenso lange etwas hermachen. Denn zerlumpt, wie die Hinterwäldler aus der TV-Serie, will hier keiner rumlaufen.

    Es ist spät geworden. Der Fernseher ist die einzige Lichtquelle. Wir verabschieden uns von Legishon und machen uns auf den Weg in das nahe gelegene Camp. Legishons Smartphone klingelt. Eine Facebook-Nachricht. Morgen erwartet ihn ein weiterer Tag mit Viehzucht und Touristen, rituellen Tänzen und Satellitenfernsehen, Jeans und Shuka. Ein Leben zwischen Tradition und Moderne.

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Container-Galerie